Diskussion über die Freiheit

Wer Lust und Zeit hat, kann an dieser Stelle etwas zum Thema Freiheit schreiben.

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Eine Antwort to “Diskussion über die Freiheit”

  1. Hallo ihr Philosophen

    Um die Diskussion von gestern Abend zu einem brauchbaren Schluss zu bringen habe ich mir noch einige Worte zusammengelegt. Gestern konnte ich diese nicht bringen, da der Anfang meines Beitrags einem Kompromiss sehr ähnlich klingt, und ich wahrscheinlich nicht mehr zum Ende meiner Argumentation gekommen wäre, hätte in der gestrigen Stimmung jemand solches vernommen 😉
    Ich denke es ist sinnvoll, wenn wir uns für zukünftige Themen auf eine Sichtweise in Sachen Freiheit einigen können, sonst kommen wir doch wieder in jedem Gespräch genau hierauf zurück, was schade für die anderen Themen wäre.

    Hierzu muss ich eingestehen, dass es pragmatisch richtig ist von der eigenen Freiheit auszugehen, ob dem so ist oder nicht. Das Bewusstsein der eigenen Determiniertheit ist ein so starkes Motiv, dass alle anderen nicht mehr dagegen ankommen. Man hätte keine Gründe mehr etwas bestimmtes zu tun oder zu lassen. Besonders weil das Gefühl für die Verantwortung gegenüber dem eigenen Sein, und nicht gegenüber dem eigenen Tun, nur schwer nachzuvollziehen und selbst von Schopenhauer, der ja die These in die Welt gesetzt hat, nicht stringent erklärt wurde.
    Entscheidend für die These ist aber erst mal, dass das Sein NICHT wie das Tun in der Zeit liegt. Diese Außerzeitlichkeit bewirkt, dass, obwohl ich in der Zeit, in meinem Handeln determiniert bin, mein Sein dennoch frei ist, und ich für mein Sein verantwortlich.
    Ähnliches wird sogar auf juristischer Seite versucht, wenn der Anwalt über den Angeklagten sagt: „Aber sonst ist er ein guter Mensch!“ (Und ein guter Leumund wirkt sich ja tatsächlich strafmildernd aus)
    Da dies aber wie schon erwähnt für das Selbstbewusstsein ein chaotisierendes Prinzip darstellen würde, – die eigene Determiniertheit als Handlungsmotiv anzunehmen, würde jeden anderen Grund überdecken, wodurch nun wirklich grund-los entschieden würde – bin ich bereit in zukünftigen Diskussionen darüber hinwegzusehen, wenn jemand sich selbst als frei bezeichnet.
    Auf der anderen Seite müssen aber auch die Freiheitsvertreter eingestehen, dass es ebenso sinnvoll ist beim Anderen von der Determiniertheit auszugehen!
    Jedes mal, wenn ich einem Menschen in einem bestimmten Punkt vertraue gehe ich davon aus, dass er durch das Wesen, welches er ist genauso handelt, wie ich es von ihm erwarte. Ein Freund, der schon mehrmals bewiesen hat, das er vertrauenswürdig ist, wird dies auch beim nächsten Mal sein, davon muss man ausgehen, sonst ist menschliches Zusammenleben unendlich schwierig.
    Und in diesem Fall hilft Schopenhauers These sogar, dass Gefühl, welches Menschen anderen Gegenüber haben, wenn sie über deren Freiheit sinnieren: Missbraucht ein Freund unser vertrauen, dann sagen wir nicht, er hat frei gehandelt und sich diesmal halt anders entschieden, sondern wir sagen: ich habe mich in ihm getäuscht, er ist nicht die Person für die ich ihn gehalten habe.
    Damit geben wir zu, dass ein anderer als wir selbst, durch die Person und die Situation vorherbestimmt ist. Da wir die Situation kannten muss ein anderes als das erwartete Ergebnis bedeuten, dass die Person eine andere ist, als vorausgesetzt.

    Wenn wir also bei allen anderen davon ausgehen, dass sie determiniert sind, müssen wir insgeheim dies auch für uns selbst eingestehen. Wir tun aber so als wir frei wären, weil die andere Möglichkeit ein zu starkes Motiv darstellen würde, welches unser Handeln auf chaotische Weise kontrollieren könnte. (Was meiner Meinung nach dem, was ihr Freiheit nennt sehr ähnlich wäre)

    Was hier anfangs nach Kompromiss geklungen hatte, stellt sich nun am Ende deutlich als weiteres Argument für die Schopenhauersche Position dar. Leider fehlte mir in der hitzigen Debatte gestern die Muße dieses auch so zu formulieren, was aber nicht gegen die Debatte sprechen soll. Trotzdem bin ich gespannt auf eure Reaktionen. Falls dies im Blog zu kompliziert wird, können wir ja übernächste Woche eine weitere Diskussionsrunde zu diesem Thema eröffnen.

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